Im Oktober erscheint in Polen der neue Roman „Waldkauz“ von Szczepan Twardoch im Marginesy-Verlag.

Es ist August 1920. In Oberschlesien brodelt es. Polnisch vermischt sich mit Deutsch, das Schlesische mit dem Englischen und Französischen: der Sprachen der alliierten Soldaten. In das Büro von Wilhelm Pisulla, einem ehemaligen Wachmeister der Gleiwitzer Kriminalpolizei und heute Privatdetektiv bei der Firma Detektiv-Lux, kommt eine verzweifelte Frau. Sie sucht ihr Kind. Doch weder ist sie die, für die sie sich ausgibt, noch ist er ein gewöhnlicher Detektiv. Denn Pisulla hat zwei Seelen, und die zweite, die Ungetaufte, hat noch nie so laut geheult wie gerade jetzt. Nur Milch und Cognac können sie beruhigen. Dank ihnen begibt sich die tobende Stimme in Gestalt eines Waldkauzes auf eine subtile Jagd, um anschließend zu dem von seiner Familie verlassenen Mann zurückzukehren. Pisullas Sohn Franz ist im Krieg verschollen, und seine Frau ist mit dem jüngeren Karliczek fortgegangen. Wilhelm blieb zurück mit Wendelin Draga, seinem engsten Kindheitsfreund, einem Mann mit zu vielen Geheimnissen.
Waldkauz ist eine Geschichte voller Rätsel, eine Geschichte über männliche Freundschaft, über Pflichten gegenüber den Nächsten, über Erlösung, Liebe und darüber, was sich in der Dunkelheit verbirgt. Diese ist nur durch eine dünne, halbdurchlässige Membran von unserer Welt getrennt. Wilhelm Pisulla versteht die Sprache der Vögel und spricht mit den Ertrunkenen, doch selbst er kann seinen Sohn nicht finden, der von der Bestie des Krieges verschlungen wurde.
Der Autor schreibt:
Für mich ist dies ein Roman der Rückkehr und zugleich ein anderer, neuer Roman. Ein Roman der Rückkehr, weil ich darin zu den umfangreichen Erzählungen zurückkehre, für die Sie mich schon seit weit über einem Dutzend Jahren kennen, seit den Zeiten von „Morphin“. „Waldkauz“ ist auch eine Rückkehr nach Oberschlesien – hier ins Jahr 1920 –, was für mich immer eine intime Geschichte bedeutet, die mir am Herzen und im Blut liegt. Es ist jedoch auch ein neuer Roman auf meinem literarischen Weg, denn er eröffnet eine Reihe und wird sicherlich eine Fortsetzung finden. Die Welt, die Sie auf seinen Seiten vorfinden werden, ist nämlich nicht so, wie Sie sie erwarten würden – denn Wilhelm Pisulla versteht die Sprache der Vögel. Und es gibt auch Drachen.